Alternatives Online Marketing in Deutschland (2021)

Mit gesundem Misstrauen und einem ausgeprägten Sinn für den Datenschutz treibt unsere Bundesrepublik gemächlich in Richtung Digitalisierung. Doch was bedeutet eigentlich „typisch deutsch“ im Online Marketing?

1. Alternative Content Management Systeme

WordPress ist mit ca. 40% das Content Management System mit dem größten Marktanteil weltweit – Tendenz steigend. Kein anderes Content Management System kommt auch nur annähernd an die 10%-Marke heran. Seit Oktober 2020 gibt es global sogar mehr Websites, die mit WordPress laufen, als Websites, bei denen kein Content Management System im Einsatz ist.

Wer deutsche Auftragsvergabeplattformen nach Web-Projekten durchsucht, stößt allerdings auf einen auffällig hohen Anteil an Typo3-Projekten. Typo3 ist ein deutsches Content Management System, das sich hierzulande großer Beliebtheit erfreut, im internationalen Vergleich mit nur 0,5% Marktanteil als eher esoterisch daherkommt.

WordPress versucht, das Betreiben von Websites so einfach wie möglich zu machen und verfolgt damit die ehrenhafte Zielsetzung, das Blogging zu demokratisieren – so wie die Schreibmaschine zu Zeiten Gutenbergs das Buch demokratisiert hat. Für Sonderanforderungen an die Programmierung gibt es eine Vielzahl von kostenfreien und kostenpflichtigen WordPress-Plugins, die wir als WordPress Agentur bei Bedarf für unsere Kunden individualisieren können.

Die Einarbeitung in Typo3 hingegen geht mit einer steilen Lernkurve einher – weshalb viele Firmen, die Typo3 nutzen, selbst kleinste Änderungen im Zuge ihrer Website-Pflege an Agenturen delegieren müssen. Typo3 arbeitet mit „Extensions“ statt Plugins, die meistens von Grund auf neu programmiert werden müssen – eine kostspielige Angelegenheit.

Warum also die deutsche Vorliebe für Typo3? Deutscher Korrektheit vertraut man schon mal eher als amerikanischen Anbietern, die sich hierzulande gegen das Vorurteil durchsetzen müssen, dass deren Informationstechnologie nicht von präzisen Ingenieuren, sondern von bösartigen Datenkraken entwickelt wird. Die realen Abläufe spielen im Schatten digitaler US-Megakonzerne nur eine untergeordnete Rolle.

Typo3 wird häufig mit Sicherheit in Verbindung gebracht. Die Argumentation sieht in etwa so aus: „Weil weniger Websites Typo3 nutzen, lohnt es sich nicht, sich auf das Hacking von Typo3 Websites zu spezialisieren. Deswegen ist Typo3 sicherer.“ Wer allerdings alle Dienstleister nach dieser Logik auswählt, gerät in Gefahr, sein gesamtes Business von Anbietern zweiter Klasse abhängig zu machen. Welches Content Management System geeignet ist, sollte von Fall zu Fall entschieden werden – nach einer ganzheitlichen Prüfung.

2. Alternative Tracking Systeme

Die Website soll in Google gefunden werden. Besucher sollen aus Google in die Website einsteigen. Aber Analytics soll nicht eingesetzt werden. Wie, bitte?

Eigentlich sollte es auf der Hand liegen, dass man die beste Auffindbarkeit in Google erreicht, wenn man Google eigene Tools zur Optimierung des Internetauftritts verwendet.

Jedoch bevorzugen „typisch deutsche“ Entscheider alternative Tracking-Systeme wie Webtrekk und Matomo (ehemals Piwik) gegenüber Google Analytics. Wieder geht es um den Datenschutz und den Ausschluss, dass Daten europäischer Nutzer auf amerikanische Server weitergeleitet werden.

Dass fast alle Nutzer, die aus der organischen Suche in die Website einsteigen, aus Google kommen und mit der Nutzung von Google den Datenschutzhinweisen des US-Unternehmens eingewilligt haben, interessiert nur wenig.

Korrekterweise muss man anmerken, dass für die Erhebung von Tracking-Daten mit Google Analytics eine gesonderte Nutzereinwilligung erforderlich ist – schließlich werden andere Daten an einem anderen Ort (Website statt Google Suche) von einer anderen Partei (Website-Betreiber) mit einem anderen Verwendungszweck (je nach Datenschutzhinweis) erhoben.

Doch wenn Internet-Surfer hierzulande wirklich so sensibel gegenüber Tracking durch Google wären, wie es mancher „typisch deutsche“ Entscheider vermutet, läge der deutsche Marktanteil von Google nicht bei 92,63% – sondern müsste doch zumindest unter dem weltweiten Marktanteil von 85,46% liegen (Dezember 2020)

Wer besorgt über die Privatsphäre seiner Website-Besucher ist, kann Google Analytics mit IP-Anonymisierung nutzen. Damit werden die letzten drei Ziffern der IP-Adressen anonymisiert und die ansonsten personenbezogenen Daten „ent-personalisiert“.

Letztlich liegt die Entscheidung für oder gegen ein Tracking-System jedoch beim Auftraggeber, idealerweise in Folge einer fachkundigen Rechtsberatung. Für uns steht lediglich fest: Mit Google optimiert es sich für Google am besten.

3. Alternatives SEO-Verständnis

Suchmaschinenoptimierung… das ist doch das mit den Keywords, wodurch die Texte immer so lang und furchtbar unleserlich werden… was klingt, wie von einer Maschine geschrieben?

Nicht ganz. Der Begriff „Suchmaschinenoptimierung“ ist eigentlich irreführend. Es geht weniger darum, Websites für Suchmaschinen zu optimieren, sondern vielmehr darum, Websites für Nutzer aus Suchmaschinen zu optimieren. Leider rollt „Suchmaschinennutzeroptimierung“ nicht so leicht von der Zunge, also bleiben wir bei der ersten Bezeichnung.

Um in der Suchmaschine gefunden zu werden, muss die eigene Website das bieten, wonach Nutzer suchen – sie muss also die Suchtintention der Nutzer erfüllen. Dafür werden die Inhalte auf der Website angepasst.

Bei der Erfüllung der Suchintention von Zielgruppen sind Keywords ein hilfreiches Mittel – sie fungieren wie das Bindeglied zwischen Frage und Antwort. Die Zeiten, wo Texte mit Keywords vollgestopft wurden, sind allerdings vorbei: Seit dem „Hummingbird“-Update von Google werden „überoptimierte“ Texte in ihrer Sichtbarkeit abgestraft und stattdessen überwiegt die Erfüllung der Suchintention als Ranking-Kriterium.

Wer in der Vergangenheit nur mit Keyword-schwangeren Texten zu tun hatte, sollte über einen Anbieterwechsel für seine Suchmaschinenoptimierung nachdenken. Obwohl svaerm schwerpunktmäßig den deutschen Markt beliefert, orientiert sich unser Handwerk aus fachlicher Sicht eher an internationalen Vorbildern.

Hinweis: Die Inhalte dieser Website sind keine Rechtsberatung.

IHR ANSPRECHPARTNER

Maxim Bollig
Digital Marketing Manager
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